Bei meinem Besuch bei Union Glashütte im Osterzgebirge (in Deutschland) habe ich wieder einmal gemerkt, wie viel Handwerk und Präzision hinter einem mechanischen Zeitmesser steckt.
Glashütte ist das traditionsreiche Zentrum deutscher Uhrmacherkunst. Und „Made in Glashütte“ ist dabei weit mehr als eine Herkunftsbezeichnung. Die sogenannte Glashütter Regel stellt hohe Anforderungen daran, wie viel Wertschöpfung tatsächlich vor Ort erfolgen muss (mindestens 51%).
Zeit braucht Zeit – zumindest, wenn sie in Glashütter Tradition entsteht.
Was mich bei meinem Besuch besonders beeindruckt hat, ist der hohe Anteil an Handarbeit. In der Teilefertigung entstehen die individuellen Komponenten, die später das mechanische Herz der Uhr bilden – darunter Rotoren, Unruhkloben sowie Automatik- und Räderbrücken.

Besonders interessant fand ich die Verbindung aus klassischer Handarbeit und moderner Technologie. Traditionelle Veredelungen wie die Perlierung oder der Glashütter Streifenschliff entstehen mit viel Geschick und Augenmaß und verleihen den einzelnen Komponenten ihren besonderen Charakter.
Anschließend werden die zahlreichen filigranen Komponenten in der Werkmontage von Hand zusammengesetzt. Ein mechanisches Uhrwerk besteht aus über 200 einzelnen Teilen, die Schritt für Schritt ihren Platz finden. Jedes Detail wird immer wieder kontrolliert, die Ganggenauigkeit minutiös justiert und schließlich sorgfältig geprüft.

Und genau diese Mischung aus Tradition, Präzision und echter Handwerkskunst macht für mich den besonderen Reiz einer mechanischen Uhr aus Glashütte aus.
Durch den Saphirglasboden kann man einen Teil dieser Arbeit später sogar am eigenen Handgelenk entdecken. Und dann steht da eine fertige Uhr, die vielleicht ganz selbstverständlich aussieht. Aber wenn man einmal gesehen hat, wie viel Zeit, Können und Geduld darin steckt, betrachtet man sie mit anderen Augen.

Ihr
Erik Hoffmann
Viele halten die vielen Zahlen auf der Navitimer für reine Dekoration – tatsächlich steckt dahinter ein mechanischer Analogrechner. Der kreisförmige Rechenschieber wurde entwickelt, damit Piloten wichtige Berechnungen direkt am Handgelenk durchführen konnten – lange bevor es Taschenrechner, GPS oder Smartphones gab.
Die drehbare Lünette und die logarithmischen Skalen ermöglichen Multiplikationen, Divisionen, Prozentrechnungen sowie Berechnungen von Geschwindigkeit, Flugzeit, Distanz und Treibstoffverbrauch.
Beispiel:
Stellt man die „10“ des äußeren Rings auf die „12“ des inneren Rings und sucht anschließend die „15“, liest man gegenüber „180“ ab. So berechnet die Uhr: 12 × 15 = 180.
Kann man den Rechenschieber heute noch sinnvoll nutzen? Absolut. Mit etwas Übung lassen sich damit einfache Überschlagsrechnungen durchführen, etwa für:
• Trinkgeldberechnungen
• Währungsumrechnungen
• Prozentrechnungen
• Verbrauchsberechnungen
• Geschwindigkeit × Zeit = Strecke
In der Praxis nutzen die meisten Besitzer diese Funktion jedoch eher aus historischem Interesse. Tatsächlich müssen selbst viele Navitimer-Besitzer erst nachschlagen, wie der Rechenschieber genau funktioniert.
Genau das macht seinen Reiz aus: Er erinnert an eine Zeit, in der Piloten komplexe Berechnungen noch mechanisch am Handgelenk ausführten – und macht die Navitimer bis heute zu einer der ikonischsten Fliegeruhren überhaupt.